Ein Chor-Erlebnis, das unter die Haut ging





Fotografische Rückblende auf die Konzertfahrt des Kunstvereins Unverdorben am Freitag, 30. Oktober 2026 ins böhmische Nachbarland nach Domazlice (Taus). Die Neunburger folgten einer Einladung des Cerchovan-Chors Domazlice, der in einem groß besetzten Festkonzert auf sein 125-jähriges Bestehen zurückblickte. Einziger Programmpunkt war Antonin Dvoraks Requiem op. 89 mit dem gemischten Cerchovan-Chor, Einstudierung Marek Vorlicek, und dem Karlsbader Symphonieorchester unter Leitung von Dirigent Ondrej Vrabec. Gesangsolisten:Leyli A. Schoefer (Sopran), Michaela Zajmi (Mezzosopran), Voytech Semerád (Tenor) und Gustav Belácek (Bass).
Die Zuörerschaft im vollbesetzten Gotteshaus, die Maria-Geburt-Gedächtniskirche, zeigten sich überwältigt von diesem kolossalen, eineinhalbstündigen Chorwerk, welches in dem achteiligen Kanon der lateinischen Totenmesse einerseits durch gewaltige Fortissimo-Steigerungen überwältigte, andererseits in seinen langsamen, spirituellen Passagen unter die Haut ging. Ein tosender, lange anhaltender Schlussapplaus dankte allen Akteuren für diese an Perfektion heranreichende Wiedergabe dieses Meisterwerks der tschechischen Spätromantik.Antonin Dvorak hatte das Requiem nach seiner erfolgreichen 8. Symphonie als Auftragswerk für ein 1890 in Birmingham stattfindenden Musikfestes komponiert und zeigt ihn auf dem Höhepunkt seiner musikalischen Schaffenskraft. Auffallend ist die Verwendung eines Leitmotivs, einer chromatischen Umspielung des Grundtons b, rhythmisiert mit einer charakteristischen Sykope. Besonders in der Dies-Irae-Sequenz gelingt es ihm, Klangvisionen zu beschwören, die denen von Hector Berlioz und Guiseppe Verdi nicht nachsteht, obwohl der zweite Teil der Totenmesse sich mehr auf den lyrischen Grundton stiller Trauer konzentriert. Im Gegensatz zu dem populären „Stabat Mater“ op. 58 haben Dvorak beim Requiem-Projekt keine persönlichen Schicksalsschläge unmittelbar beeinflusst. In dem 1876/77 entstandenen „Stabat Mater“ hatte er versucht, sein Leid über den schmerzvollen Verlust von drei Kindern zu überwinden.
Den heute partnerschaftlichen Kontakt zwischen dem Neunburger Kunstverein Unverdorben und dem Cerchovan-Chor Domazlice hatte vor drei Jahren der damalige Intendant des Westböhmischen Symphonieorchesters hergestellt. Er bot damals den Neunburgern an, das Marienbader Herbstkonzert 2024 mit dem Requiem d-moll KV 626 von W. A. Mozart im Mittelpunkt am Allerseelentag 2. November 2024 im Rahmen des 12. Neunburger Kunstherbsts in der Schwarzachtalhalle zu wiederholen. Unter dem Dirigat der ersten tschechischen Chefdirigentin Alena Hron wurde dieses Chorkonzert zu einem bewegenden Musikerlebnis und zu einem der Höhepunkte des seit 2012 bestehenden Hauses.

Vor dem Konzertbesuch stießen die Neunburger in einem Restaurant der Innenstadt auf das bevorstehende Kulturereignis an. Fotos: Karl Stumpfi, KVU



















